ergänzt in Bild und Text am 11.11.06
ergänzt November 24th, 2007
Hier der heute gefertigte Kurzfilm:
Die Taschenlade
Gedanken über ein symphonisches
Windladensystem
Die Walcker Taschenlade
Dynamischer Orgelbau in dynamischer Zeit
Mit dem Begriff "Taschenlade" war so ziemlich
alles an "handwerklicher Verluderung" markiert, das die nach dem II.Weltkrieg
aufgekommene Nachgeburt der Orgelbewegung an "Verfall" und "Untergang" in
der "heruntergekommenen" Orgelbaukunst der "Verfallszeit" festmachen konnte.
So war es also auch kein Wunder, dass Deutschland weitgehend von diesem
Windladensystem "befreit" dasteht, während heute wieder in anderen Ländern
jenes System an Wertigkeit zu gewinnen
scheint.
Gleich vorneweg noch eine Bemerkung zur
Begriffsbestimmung. Gesagt und gemeint ist die Walcker-Taschenlade.
Bei Walcker wurde dieses Windladensystem bis weit in die 20er Jahre auch als
Membranlade bezeichnet. Dieser Begriff bezeichnete ursprünglich die
Weigleschen Laden mit den auf den Kanzellenboden geleimten
Lederteilen, wie es oft in Spanien und in Amerika gemacht wurde. Die oft
delikaten Entwicklungen in diesem Bereich haben wahrscheinlich dazu geführt
sich begrifflich mit "Taschenlade" davor zu distanzieren. Natürlich ist bekannt, dass große und renommierte Firmen wie Steinmeye
r,
Voit, Laukhuff und viele andere ebenfalls Taschenladen gebaut haben.
Diese Windladen
haben sich mehr und mehr in Konstruktion und auch in den Maßen der Taschen
angenähert, so, dass heute manche Orgelbauer meinen, man kann alles in
Weikersheim bestellen, es wird schon irgendwie passen. Der Vergleich in den
mir bekannten Bohrungstabellen legt dies nicht unbedingt nahe. Wir haben
weiter unten eine alte Tabelle von Walcker und hier oben eine Weikersheimer,
wo man einige Unterschiede erkennen kann. Ebenso kann gleich vorneweg gesagt
werden, dass Taschen nach unserer Erfahrung nur mit 1a hav. Spaltleder
ordnungsgemäß arbeiten, und als nächste Voraussetzung, dass mindestens 80mm
WS Pfeifenwinddruck vorliegen. Taschen mit Polypel funktionieren nicht.
Dieses Material kann für Membranen oder Bälgchen verwendet werden, aber
nicht für Ausstromsysteme.
Außerdem ist bei Restaurierungen unbedingt das alte
Holzteil und die Dichtungsscheibe
wiederzuverwenden, was eine Neubelederung der alten Taschen
notwendig macht. (zum Voitschen Taschensystem gibt es einen
workshop "Baelgchen
neu beledern" von mir, der während der Restaurierung der
Voit-Orgel in Russe erstellt wurde) (das rechte Bild zeigt das
Windladensystem der Firma Steinmeyer anhand der Mannheimer Johanneskirchen
Orgel, die 1957 gebaut und 1999 von Walcker restauriert wurde. Walcker
hat auch die große Voit-Orgel in Mannheim, Lutherkirche 1999-2000
restauriert und hier vielfältige Erfahrungen sammeln können. Diese Kirche
soll nun halbiert werden und zur Hälfte für kommerzielle Zwecke Verwendung
finden. Ein schöneres Beispiel für Kulturverfall mit vorangegangenem
denkmalpflegerischen Aufwand gibt es garnicht mehr)
Besonders
die großen Orgeln von Oscar Walcker waren mit diesem System ausgestattet.
Feinhörige Organisten von Weltformat wissen um die klanglichen Fähigkeiten
jener Windladensysteme und fordern ihre Wiederherstellung. Das ist, wie wir
wissen, der erste Schritt solche Instrumente neu zu bauen. Dennoch gibt es
genug bestehende Instrumente, die nur darauf warten wieder zum Leben erweckt
zu werden. Ich nenne nur die Riesenorgel in Barcelona. Leider ist die
Stockholmer Walcker-Orgel in der Blauen Halle auf Schleifladen umgestellt
worden, soll aber nächstes Jahr wenigsten klanglich (Harrison&Harrsion)
weitgehend zurückgeführt werden.
Es begann wahrscheinlich mit Emil Rupp um
1906, der auf dem Walcker-Werbeblatt der Konzert-Orgel für das
Königl.Odeon in München, sehr kritisch zitiert wurde :".. Ausser der
von vielen für das Ideal gehaltenen Barkerschen mechano-Pneumatik in
Verbindung mit der Schleiflade ist es einzig und allein die
Elektro-Pneumatik, welche das polyphone Gewebe einer Bachschen Fuge klar und
natürlich vor dem Hörer entstehen läßt. Wenn schon die Verbindung mit der
für die tiefen Töne besonders ungünstigen Kegellade in meiner Orgel
so brillante Resultate ergeben hat, so ist zweifelsohne in der Kombination
der Elektro-Pneumatik mit der Ausstrom-Lade und direkter Windführung die
Bahn für die weitere Entwicklung des deutschen Orgelbaus gewiesen."
In Rupps Strasbourger Walcker-Orgel in St.
Peter und Paul hat Walcker alle seine Ladensysteme der damaligen Zeit
realisiert. Darunter sind also Kegelladen, Taschenladen und Hängebälgladen.
Zunächst eine kurze Erläuterung zu den
Begriffen Zustrom und Abstrom.
Kegelladen sind Zustromsysteme, weil bei
Betätigung des Kegels Wind zugeführt werden muss, der die Membrane
veranlasst den Kegel zu heben. Bei Taschen- oder Hängebälgladen wird Wind
abgelassen, was Tasche oder Hängebalg veranlassen das Ventil zu öffnen.
Bei Ausstromsystemen haben wir besondere
Vorteile darin, dass die Windladen relativ geräuschlos arbeiten gegenüber
den Kegelladen - was Oscar Walcker besonders für die Konzertsaalorgeln
natürlich als sehr wertvoll erachtete. Daneben aber ist die Ansprache viel
präziser, was bei Zungen große Beachtung fand.
Der
irrigen Auffassung, Walcker habe das "Taschen - oder Membransystem"
verschlafen und ist erst nach den Erfolgen der Konkurrenz auf
"Ausstromsysteme" gekommen, kann hier mit einer einfachen Zeichnung begegnet
werden, die zudem noch eine spektakuläre technische Kompliziertheit
besonderer Weise beinhaltet. Und zwar handelt es sich hier um eine auf
Taschensystem funktionierende Setzerkombination in der Orgel Opus 733,
München Kaimsaal, Bj 1895 mit 50 Register. Damit sollte klar sein,
dass Walcker das Wissen um Ausstromsysteme lange vor Oscar Walckers ersten
Orgeln gehabt hat. Die Anwendung wurde aber gescheut, wie bei der
elektrischen Traktur, die in Boston und Ulm versucht wurde, weil ein sehr
hoher Anspruch an solche Systeme gestellt wurden, die nach Auffassung der
Geschäftsleitung noch nicht erfüllt werden konnte. Im Übrigen war bei der
Generation nach Eberhard Friedrich Walcker, also den Söhnen, immer Maßgabe
die Vorgaben des Vaters, und das war eben die Kegellade.
Die
elektrische Walcker-Orgeln, die ab 1905 vermehrt gebaut wurden, haben rasch
in der Taschenlade das entsprechende Windladensystem gefunden.
Wahrscheinlich waren die ersten Windladen jene bei Rupp in Strasbourg.
Vielleicht sogar hat Rupp mit Oscar Walcker Versuche in dieser Sache an
seiner Orgel um 1905 zielstrebig herbeigesucht. Bei Walcker war noch Carl
Walcker als Geschäftsführer im Werk, den Oscar als Fortschrittsbremse
empfinden musste (auch in Sachen elektrischer Traktur, wie er in seinen
"Erinnerungen" deutlich vermerkt). Mit dem Tod von Carl Walcker 1907 wurde
Oscar Walcker mit Eberhard Walcker Inhaber der Firma. Oscar konnte von nun
an seine technischen Vorstellungen verwirklichen, was zu diesen
dynamischeren Ausstromsystemen bei Walcker führte.
So, wie ursprünglich von der mechanischen
Kegellade auf die pneumatische Kegellade übergegangen wurde. So stellte man
fest, dass sich die Taschenlade besser als die Kegellade für elektrische
Systeme eigneten. Noch aber ist nicht ganz klar, wann diese Erkenntnis sich
bei Walcker zu einem eindeutigem Konzept entwickelte. Die elektrischen
Spieltische fanden nach dem Erfolg in München Odeon rasch weitere Entwicklung
(siehe Tabelle oben links). Voit hatte bereits 1905 die erste elektrische
Orgel Deutschlands in Heidelberg Stadthalle gebaut - und dieses
Windladensystem war ein Ausstromsystem vergleichbar den späteren Taschen-
oder Hängebälgladen von Walcker.
Einige
der ersten elektrischen Trakturen wurden auch nach
Hope-Jones
Prinzipien gefertigt (siehe auch die Grafik oben links, der
Wurlitzer-Orgel, die Walcker 1981 restauriert hat und die im
Musikinstrumenten-Museum in Berlin steht). Oscar Walcker hatte ja Hope-Jones in den USA
kennengelernt und dessen Systeme ausgiebig studiert. So sind die Relais mit
Hufeisenmagneten, wie auf der linken Zeichnung sichtbar, und hierzu
die recht komplizierte Zusammenarbeit mit runden Auslaßbälgchen.
Als Serienfertigung immer noch
interessant, aber erst mit dem Hebelmagnet (rechte Zeich
nung
und Foto oben) und dem ganz einfachen Auslass-Hubventil wird die Sache
durchrationalisiert und auch für den Außendienstarbeiter einfach zu
handhaben. Diese Norm-Zeichnungen, wie hier gezeigt, wurden bei
Walcker ab etwa 1912 systematisch gefertigt, wobei der erste Zeichner
Karl Ruther war, der dann ab 1916 Werkleiter bei Sauer wurde. Ab diesem
Zeitpunkt gelten die Normzeichnungen ebenso bei Sauer.
Eine
Besonderheit stellt die Walcker-Orgel in der Hamburger Michaeliskirche
(Op1700, 163/V) dar, weil dort (alle?) Windladen mit Hängebälgladen
gefertigt wurden.(siehe Grafik links)
Ich denke, dass Oscar Walcker dieses
Windladensystem als das präziseste Ausstromsystem betrachtete. Aber von der
Kostensituation her war es bestimmt auch das teuerste. Bei HH-Michaelis
spielte bekanntlich Geld keine Rolle, aber bei allen Orgeln die nach dem WK
kamen, und nach der Weltwirtschaftskrise, da sah es anders aus.
Auffällig an der Hamburger Orgel ist die
extrem massive Elektrik und deren Verbindung zur Pneumatik. Hier haben wir
ein doppeltes Relais in Zustromtechnik, wie übrigens auch bei Voit, nur die Windlade selbst ist Abstrom.
Das Abstromsystem kam also bei größeren Firmen nicht als Traktursystem
sondern nur als Windladensystem in Frage. Um das zu realisieren, haben diese
Firmen die Mehrkosten von zwei Relais nicht gescheut. Diese Hängebälgladen sind
darüber hinaus kostenintensiver als Taschen. Die Hängebälge haben eine
komplizierte Feder, die ganz sorgsam ausgewogen werden muss, und die Feder
selbst darf natürlich keine Berührung zum Leder haben. All diese Faktoren
sprechen gegenüber der Taschenlade, die viel einfacher zu bauen und zu
warten ist, eine deutliche Sprache der Effizienz. Diese Hängebälglade
entspricht etwa des Voitschen Windladensystems in Heidelberg
Stadthalle man hat zwei Holzteile, die mit Leder und Scharnier verbunden
sind, während es bei der Taschenlade ein Holzgrundkörper ist, der mit einem
beweglichen Lederflecken garniert ist und auf den eine Ventilscheibe
aufgeschraubt ist. Innwendig befindet sich eine Spiralfeder. Auch Voit hat
eine innenliegende Feder. Das Voitsche
System hat noch einen kleinen Vorteil in Bezug auf die Montage des Bälgchens,
da die Fixierung mit einer Schraube geschieht. Während bei Walcker die
Tasche geleimt werden muss. Walcker hat mit diesen Hängebälgladen
verschiedene Kinoorgeln gebaut. Für mich nicht ganz transparent ist, warum
jenes Hängebälgladensystem noch in den 20er Jahren angewendet wurde.
Beiden Ausstromsystemen ist gemeinsam, dass
nur die Tasche sich bewegt, bei der Register und Ton geschaltet sind.
Also im Gegensatz zur Kegellade, wo sich alle Membranen und Kegel
bewegen,
egal welche Register geschaltet sind, ist dies ein ganz herausragender
Vorteil, neben der schnellen Repetition, der zur erheblichen
Geräuschminderung führt. (ein typischer Denkfehler und eine falsche
Grafik findet sich in "Wikpedia -Taschen-Membranlade".
Hier wurde nicht erkannt, dass eine Tasche, sich dann nicht bewegen kann,
wenn kein Wind in der Registerkanzelle ist, da der Gegendruck fehlt. Aber
gerade das ist ein ganz wesentliches Element dieses Ladentyps)
Der
Nachteil diese Ausstromsysteme liegt natürlich auch auf der Hand, es
ist der
relativ schnellere Verbrauch der Lederteile und der Umstand, dass defekte
Taschen "heulen". Während wir bei der Kegellade eines defekten Bälgchens
oder Membran den Vorteil haben, dass diese Lederteile eben den Kegel nicht
mehr heben, eine "dead note" also herbeiführen, keinen Dauerton.
Bei Kegelladen können wir unter der Lade, ohne eine einzige Pfeife
auszubauen noch regulieren und Prüfungen vornehmen. Bei den
Ausstromsystemen, egal wie sie alle heißen mögen, ist grundsätzlich das
Pfeifenwerk abzuräumen, der Stock abzuschrauben, und erst jetzt "trifft man
auf den Feind". Eine Ausnahme bilden die Taschenladen von Steinmeyer
(siehe Grafik rechts). Hier können die Taschenbretter von unten
abgeschraubt werden.
Walcker hat daher in ferne Länder, und
besonders in die südamerikanischen Länder vornehmlich noch Kegelladen
gebaut. Es müsste einmal geprüft werden, wann die ersten "Taschenladen" nach
Südamerika gingen. In seinen "Erinnerungen" schwelgt Oscar Walcker von der
unübertroffenen Funktionssicherheit der Kegelladen. Weswegen man in die
Verlegenheit kommt, darüber nachzudenken, warum denn dann andere Systeme so
in den Vordergrund kamen, durch ihn, den Verantwortlichen?
In den 30er Jahren begann Walcker, eigentlich
überall hin die "Taschen" zu liefern.
Das hat den Nachteil mit sich gebracht, in Ländern ohne Fachpersonal, dass
an diesen Orgeln oft keine richtigen Restaurierungen gemacht werden, sondern
ununterbrochen daran herumgeschraubt wird, wie man an vielen Orgeln in
Südamerika feststellen kann. Sicher war dies auch ein Grund, den die
Orgelbewegung im Nachzuge aufgeschnappt hat, um dieses System zu
verunglimpfen. Aber alles hat eben zwei Seiten. Denn eine gut restaurierte
Taschenladenorgel ist dreißig bis fünfzig Jahre sehr pflegeleicht.
Keine
Frage ist, dass die "Giganten" (Barcelona, Stockholm, Oslo,) der zwanziger
Jahre allesamt Taschenladenorgeln waren, ebenso der "Riese" zum Nürnberger
Parteitag 1936. Bei großen Pfeifen fanden hierzu noch Variationen statt,
dass man große liegende Taschen machte, die man als "Doggen" bezeichnete.
Auf der linken Zeichnung ist die Lade der Posaune 32' mit einer 95x95mm
Tasche im Schnitt gezeichnet - zweifellos eine hoch historische und
interessante Angelegenheit. Denn, dass Taschenladen viel schneller und
dynamischer Zungen ansprechen lassen, da diese "windadäquat" arbeiten,
dürfte kaum außer Frage stehen, und hier hätte man ein wirklich durchdachtes
und in hunderten von Orgeln ausgetestetes System an der Hand. Ich erinnere
mich nicht an eine einzige Schleifladenorgel bei der eine 16' Zunge in
voller Länge gut und bequem anspricht - an eine 32' Zunge wagt man ohnehin
nicht zu denken.
Besser als bei den Kegelladen lassen sich
Transmissionsladen mit den Taschen realisieren. Die Pedal-Transmissionen
kamen in den zwanziger Jahren sehr stark auf. Wir haben rechts eine Walcker-Normzeichnung mit solch einer Transmission, wo einem sofort in die
Augen springt, wie einfach das gemacht werden kann.
Interessante Frage ist, die geprüft werden
muss, ob die von Paul Walcker gebaute Rieseno
rgel
in Breslau Jahrhunderthalle (200/V) ebenfalls in Taschenlade gefertigt
wurde. Das damit als erstes Riesenwerk mit diesem System ausgestattet sein
dürfte. Jedenfalls gibt es kein schöneres Bild als jenes aus der Werkstatt
Sauer, wo man so wunderbar den Einbau der Taschen in der Windladenwerkstatt
besichtigen kann. (die Stille des Geschäftsgebarens, die vier ausgetrunkenen
Schnapsflaschen im Hintergrund, all dies lässt uns an der hoffnungsfrohen
Arbeit und Stimmung so richtig teilhaben)
Walcker
hat nach Einbau der Taschen und Überprüfung die Kanzellen mit einem dicken,
rötlichen Papier geschlossen. Es versteht sich von selbst, dass alle Elemente in der
Windlade mit Haut -oder Knochenleim verleimt wurden, um spätere Korrekturen
vorzunehmen. Darauf wurde entsprechendes Dichtungstuch (Molton, aus der
Bettenindustrie) geleimt, in das später die Verbindungslöcher mit scharfem
Messer ausgeschnitten wurden. Nun wurde der Stock aufgeschraubt.
Öffnet man eine solche Windlade nach 60 Jahren, so sieht man einen fast
blütenreinen Mechanismus, der bewiesen hat, dass er keiner Wartung bedarf.
Die Dynamik der Tasche, der Umstand, dass sich das Leder an Windwirbel und
Temperatur- oder auch Feuchtigkeitseinflüsse stark anpassen kann, macht
dieses Windladensystem zu einer unheimlich flexiblen Einrichtung. Ganz
besonders ist zu erwähnen, dass Taschenladen eine unübertroffene klangliche
Wirkung bei sehr großen und kleinen Pfeifen haben. Die Besonderheit
der Taschenlade in Sachen "Zungenklang" haben wir bereits erwähnt. Gegenüber
anderen Registerkanzellenladen ist die Taschenlade bei sehr ruhigen
Streichern und Dolcen in großem Vorteil, weil sie nicht klappert. Wer
Hebelmagnete nicht mag, obwohl man diese ebenfalls mit Filzdichtungen und
anderen Maßnahmen erheblich dämmen kann, der kann sich andere
"englische" Möglichkeiten vorstellen, siehe auch Bild rechts,
das eine Relaisschaltung zeigt, die eigentlich nur "geräuschloses Arbeiten"
im Sinne hat. Hier noch zwei Dinge, die für jeden Orgelbauer interessant
sind. Es ist eine Walcker-Taschenladen Tabelle und eine alte Normzeichnung
über die Taschenladen von Walcker.
Nachfragen in dieser Sache beantworte ich
gerne.
Bitte beachten, dass alle hier
veröffentlichten Bilder meinem copyright unterliegen, auch wenn dies nicht
auf jedem Bild markiert wurde.
Gerhard Walcker-Mayer
Zu unserem
Artikel "Taschenladen" gibt es
anzumerken, dass mit Sicherheit die Orgel Op.2198 nach Rio de Janeiro
(14/II, Bj1928) mit Kegelladen gebaut wurden, weil der Vorläufer 2052 so
guten Eindruck dort als Kegelladenorgel gemacht hatte. Während Op.2217, ins
Colegio de Ntra. Sra. de Misericordia nach Buenos Aires (8/II,
Bj1928), ein Werkchen mit sechs 8Füsser, einer Mixtur 1-4fach auf 4'
basierend, und einem 16', als Membranlade, sprich Taschenlade über den
Atlantik ging. Das Örgelchen, das mehr 8Füsser hatte als landläufige "Neobarokkos"
mit 30 -40 Registern, wurde am 15.April bestellt und am 3.Aug. ausgeliefert.
Drei Monate Arbeitszeit in einer Zeit, als Deutschland unter
Massenarbeitslosigkeit stöhnte waren offensichtlich genug. Ein Jahr später,
1929 wurde ein Register nachgebaut und geliefert--- na was denn wohl? Ein
Salicional 8' !! - ..da sage Einer, die Spätromantik sei mit 1914 oder Max
Regers Tod 1916 erloschen?