Michael Schultheis spielt 

an der romantischen 

SCHLIMBACH-ORGEL 

in NIEDER - RODEN

Rodgau_2.jpg (103938 Byte) Bildklicken erzeugt reeles Atmosphärenbild

 

Bei dieser großartigen CD-Aufnahme hat mich zutiefst fasziniert, wie der Organist Michael Schultheis, der sein Organistenamt nur nebenberuflich ausübt, es fertig brachte sein tiefes Verständnis dieser Orgel weiterzugeben. Er kennt diese Orgel seit über zwei Jahrzehnten wie seine Westentasche und stellt hier nun feinste Registrierungen und Nivellierungen der Orgel vor, die ihm in dieser Zeit in Fleisch und Blut übergegangen sind. Man spürt die Spielfreude und ich weiß sein  Engagement bei dieser CD-Aufnahme war riesengroß.  Nun dürfen wir erstmalig weltweit und auf allen Netzen der Welt eine Orgel vorstellen, die in ihre feinsten Strukturen zerlegt wurde. Jedes einzelne Register wird vorgeführt, Registergruppen, Streicher, Prinzipale, Flöten erzählen ihr Lied. 

Die ersten 18 Stücke Orgelliteratur sind auf das romantische Instrument mit seinen 19 Registern  sehr gut abgestimmt und für meinen Geschmack optimal in Tempo und Registrierung gespielt. 

So geht mein großer Dank an Michael Schultheis, der mir damit die Gelegenheit gibt, meine Restaurierung dieser Schlimbachorgel klanglich vorstellen zu dürfen. Aber auch an Schlimbach geht mein Dank, von ihm gelernt zu haben was romantische Klanggebung auch sein kann. Von dem tiefen Mysterium dieses Klanges einer Orgel gelernt zu haben, dies hat mir eine Erfüllung gegeben und Freude gebracht, wie ich es schon lange nicht mehr erfahren durfte. Nicht zuletzt lag dies an den sehr harmonischen Bedingungen in Nieder-Roden. 

 

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Das nachfolgende Spielprogramm ist komplett mit Links zum MP3- Klangdatei unterlegt. Bei Anklicken der entsprechenden Zeile erklingt nach einer Ladezeit der Programmteil. Voraussetzung ist die Installation eines Players. Diese Software bekommen Sie kostenlos im Internet. Sollten Sie damit Probleme haben, gebe ich Ihnen gerne Auskunft.

 

Die historische romantische Schlimbachorgel

in St. Matthias zu Rodgau Nieder-Roden

Orgelliteratur 

 

(Beschreibung und Erläuterung zu jedem einzelnen Stück erfolgt am Ende des Textes)

1. Sonate II Satz 3 C-Dur Op. 65.2 01:46 Felix Mendelsson Bartholdy 1809-1847

2. Sonate IV Satz 2 B-Dur Op. 65.4 02:14

3. Toccata d-moll Op. 59 03:41 Max Reger 1873-1916

4. Vom Himmel hoch, da komm ich her D-Dur Op. 135a 01:01

5. Vor- und Nachspiel G-Dur Op. 134 01:28 Gustav Merkel 1827-1885

6. Fughette über BACH C-Dur Op. 123a 02:35 Josef Gabriel Rheinberger 1839-1901

7. Präludium c-moll 02:27 Christian Heinrich Rinck 1770-1846

8. Postludium A-Dur 01:42 August Wiltberger 1850-1928

 

Phantasie über "Großer Gott wir loben dich" Carl Sattler 1917

9. Einleitung und Variation I G-Dur 01:29

10. Variation II Es-Dur 01:56

11. Variation III G-Dur 01:23

12. Variation IV G-Dur 02:48

 

Prélude, Fuge et Variation h-moll Op. 18 César Franck 1822-1890

13. Prélude 02:43

14. Fuge 03:13

15. Variation 03:05

 

16. Grand Choeur Dialogué G-Dur 05:47 Eugène Gigout 1844-1925

17. Fantasie g-moll BWV 542a 05:28 Johann Sebastian Bach 1685-1750

18. Wachet auf, ruft uns die Stimme Es-Dur BWV 645 04:13

18. Wachet auf (in ganzer Länge, Achtung dies hat etwa 4MB Speicher und damit auch als MP3-file eine schöne Ladezeit. Da jedermann dieses Stück irgendwie im Ohr hat, dient es gut zum Vergleich mit anderen Orgeln und Aufnahmen)

 

Registerchöre

 

19. Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe Prinzipalchor 00:46 Franz Schubert 1797-1828

20. Mein Heiland Herr und Meister Flötenchor 00:52

21. De profundis Streicherchor 03:56 Christoph Willibald Gluck 1714-1787

22. Ave Maria zart Solo 00:42 /

 

 

Vorführung der Einzelregister

 

I.Manual HW C-f3

 

II.Manual UW C-f3

 

Pedal C-f1

 

23. Bourdon 16' 33. Flötenprinzipal 8' 38. Subbass 16' 
24. Prinzipal 8' 34. Liebl. Gedeckt 8' 39. Flötenbass 16' 
25. Hohlflöte 8' 35. Salicional 8' 40. Violon 16' 
26. Gedeckt 8'  36. Dolce 8'  41. Cello 8'
27. Gemshorn 8 37. Flöte Dolce 4' 
28. Gamba 8'
29. Octave 4' 
30. Rohrflöte 4'
31. Mixtur 2 2/3' Gesamtspielzeit 66:33
32. Oktav 2' 00:2 Nieder-Roden im März 2001

Die CD ist im April 01 erhältlich und kann bei mir bestellt werden. Die Kosten betragen DM 19,80 zuzüglich der Portokosten.

In den folgenden Zeilen erläutert der Organist die vorgestellten Stücke

Orgelliteratur

Zunächst erklingen einige Werke der Orgelliteratur aus der romantischen Musikepoche.

 

1. "Allergro maestoso e vivace", Satz 3 aus Felix Mendelsson Bartholdys Sonate II ist der bewegte und kräftige Mittelsatz des Werkes. Der Anfangsteil wird nach einer lebhaften Baßbewegung nahezu identisch wiederholt und mit einem Trugschluß in eine ausgedehnte Schlußwendung überführt.

 

2. Der ruhige und sangliche Satz 2 "Andante religioso" aus der Sonate IV des Meisters wird zweimalig durch kurze einstimmige Einwürfe einer Solostimme aufgelockert.

 

3. In seiner Toccata mit ihren schwungvollen Läufen und Akkordfolgen folgt Max Reger einem uralten Rezept für pompöse Tastenstücke. Ein zurückhaltender Mittelteil wirkt als Ruhepunkt in dem sehr lebhaften Stück.

 

4. "Vom Himmel hoch, da komm ich her" zählt zu dem Sammelwerk "30 kleine Choralvorspiele" Regers. Die breite Melodieführung wechselt phrasenweise zwischen Sopran und Baßstimme.

 

5. Gustav Merkels Vor- und Nachspiel beginnt mit einer bewegten Akkordfolge, die in einen Mittelteil mit linearer Achtelbewegung mündet. Es folgt eine Wiederholung des Anfangs und Überführung zum Schlußteil.

 

6. Die Fughette über BACH aus den "24 Fughetten strengen Stils" des Münchner Organists Josef Gabriel Rheinberger hat einen gleichbleibend ruhigen Charakter und bringt das bekannte Thema insgesamt 9 mal hervor.

 

7. Das Präludium von Christian Heinrich Rinck beginnt und endet mit schweren punktierten Moll-Klängen. Im Mittelteil erfolgt vorübergehend als Aufhellung eine Wendung zum freundlicheren verwandten Dur-Tonraum.

 

8. August Wiltbergers Postludium ist ein von Punktierungen geprägtes kurzes Fortestück, in dem sich volle Akkordfolgen mit einigen unisono Passagen abwechseln.

 

 

9. In seiner Phantasie über "Großer Gott wir loben dich" bearbeitet Carl Sattler den bekannten Choral in 4 Variationen. Einleitung und Variation I tragen die Satzbezeichnung "Maestoso" und verlangen das volle Orgelwerk. Nach 8 Takten setzt der Cantus Firmus im oktavierten Doppelpedal ein. Wie bei kleineren Orgeln üblich, ist das Pedalwerk auch hier vergleichsweise schwach disponiert und bei vollem Werk die Kopplung an das Hauptwerk zwingend. Trotzdem und trotz Verstärkung durch Oktavierung wird die Melodie bei dieser ersten Variation von den starken Oberstimmen dominiert.

 

10. Als ruhiger Gegensatz folgt die mit "Etwas bewegt" überschriebene Variation II in Trioform mit Solostimme im Tenor.

 

11. In der Variation III liegt der Choral ebenfalls in einer Art Trio in Form eines vierstimmigen Satzes als Begleitung vor, dem eine bewegte Solostimme übergeordnet ist. Diese teilt das Stück in drei Teile indem ihr Grundrhythmus von einer Achtel- über Triolen- zur Sechzehntel-Bewegung ansteigt.

 

12. Die Variation IV beginnt zunächst nur mit der ersten Phrase des Themas. Diese wird immer wiederkehrend von den zarten Streicherstimmen des Unterwerkes bis zum Tutti gesteigert, wo dann auch der gesamte Choral über einer bewegten Baßstimme zu Ende geführt wird.

 

13. Das Prélude im Andante cantabile aus dem dreiteiligen Werk Prélude Fuge et Variation von César Franck besteht aus einer wiegenliedartigen Melodie mit einfachen Begleitfiguren.

 

14. Nach einer kurzen akkordischen Überleitung folgt die Fuge mit der unkomplizierten Verarbeitung des Themas "sempre cantando" als Mittelsatz.

 

15. Im Schlußsatz Variation wird das Thema des Eingangsatzes wieder aufgegriffen und hier von einer filigranhaft virtuosen Stimme begleitet.

 

16. Eugène Gigouts grandioser Grand Choeur Dialogué ist gemäß dem Titel regelrecht Rede und Antwort zwischen zwei kontrastierenden Manualen. Zu Beginn wird das Thema manualiter auf dem Nebenmanual in verschiedenen Variationen vorgetragen. Die zugehörige kräftige Antwort des Dialogs folgt jeweils 8-stimmig auf dem Hauptwerk verstärkt durch das oktavierte Doppelpedal. Im linearen Mittelteil wird das Gesprächsthema verschiedenartig verarbeitet. Schließlich wird der anfängliche Dialog weitergeführt und bis zum Schluß gesteigert, wo sich die aufgebaute Spannung in klarem G-Dur löst.

 

 

Zu guter Letzt soll hier nach dem Motto "Keine Orgel-CD ohne Bach" auch der wohl größte aller Orgelkomponisten und Meister des Barocks auf der romantischen Schlimbachorgel zu Gehör gebracht werden.

 

17. Kein anderer Komponist hat so viele Orgelwerke geschaffen wie Johann Sebastian Bach. Seine Fantasie in g-moll beginnt mit treibenden Läufen über Orgelpunkten. Zwei zurückhaltende, sangliche Zwischenspiele wechseln sich anschließend mit dramatischen Fortepassagen ab. Die für die damalige Zeit "unerhört" kühne Harmonien über den chromatischen Baßläufen lassen gar eine Erinnerung an die Werke Regers aufkommen.

 

18. "Wachet auf, ruft uns die Stimme." ist einer der bekanntesten Orgelchoräle Bachs und gehört zu einer Sammlung von sechs Chorälen, den sogenannten "Schübler-Chorälen". Die Sammlung ist vermutlich im Jahre 1746 im Verlag des Johann Georg Schübler zu Zella in Thüringen erschienen. Fünf dieser Choräle, hierzu zählt auch das vorliegende Werk, sind keine Originale, sondern Übertragungen aus Kantaten des Meisters. Die Melodie wird hier von der Tenorstimme übernommen, die der bewegten Oberstimme unterlagert ist.

 

 

 

Registerchöre

Hier folgen einige kurze Stücke jeweils mit den Haupt-Registerfamilien der Orgel.

 

19. Der Gloriagesang "Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe" aus der bekannten "Deutschen Messe" des Romantikers Franz Schubert zeigt den Prinzipalchor, die Männerstimmen der Orgel, wobei dieser auf dem Unterwerk nur aus dem Flötenprinzipal 8' besteht.

 

20. Der Pfeifenklang beim Gesang zum Agnus Dei "Mein Heiland Herr und Meister" aus selbigem Werk Schuberts besteht aus den Frauenstimmen des Instrumentes mit weit aufgeschnittenen Pfeifen, dem Flötenchor. Register dieser Familie zeichnen sich im Vergleich zu anderen durch einen geringeren Gehalt an Obertönen aus, der bei den oft auch gedeckten Pfeifen ohnehin reduziert ist.

 

21. Christoph Willibald Glucks Schaffenszeit fällt in die Zeit der Klassik. Sein Werk "De profundis" ist ein vierstimmiger Chorsatz, der sich von dunklem flehendem d-moll zu strahlendem D-Dur entwickelt. Er erklingt mit den eng geschnittenen Streicher-Register, wobei hier im Unterwerk Dolce 8' zu Salicional 8' schwebend gestimmt ist.

 

22. Eine etwas außergewöhnliche Möglichkeit der Registrierung von Solostimmen zeigt die kleine Improvisation in Trioform über "Ave Maria zart". Die verzierte Solostimme besteht aus Bourdon 16' und Oktav 2' des Hauptwerks in oktavierter Lage, was klanglich einer 8' + 1' Kombination entspricht.

 

Einzelregister

23.-41. Nun werden die Register der Orgel einzeln vorgestellt. Dies geschieht meist in einem chromatischen Lauf über das gesamte Tonspektrum gefolgt von gebrochenen Akkorden und Kadenzieren in verschiedenen Lagen. 

 

 

Michael Schultheis wurde 1966 geboren und ist seit 1984 nebenamtlich Organist in St. Matthias zu Nieder-Roden. Er absolvierte von 1982 bis 1985 die Ausbildung zum Kirchenmusiker im Nebenamt im Hauptfach Orgel bei Eugen Großmann † am bischhöflichen Institut für Kirchenmusik in Mainz mit abschließender C-Prüfung. Ab 1992 folgten einige Jahre privater Orgelunterricht im Literaturspiel bei dessen Sohn Andreas Großmann.

 

 

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