Musik auf der
Walcker-Orgel in
MP3-Stücke konvertiert
gespielt von
Domorganist Wolfgang Oehms
Trier
Musikwissenschaftliche Verlagsgesellschaft m.b.H. Stuttgart 1969
auf
von LP auf MP3 übertragen Mai 2005 /gwm
(Achtung:
Die MP3-Daten sind noch nicht aufgespielt, dies wird in rund 8 Tagen
geschehen. Die Stücke von Schilling werden auf dieser Webseite später
eingefügt / gwm Mai 2005)
Daß große
Orgeln für den Spieler eine Vielfalt an Farben und Klängen
bereithalten, weiß man. Daß aber auch
kleine Instrumente mehr Möglichkeiten bieten, als man zunächst vielleicht
annehmen möchte, soll die vorliegende
Aufnahme beweisen. Freilich bedarf die kleine Orgel, um wirklich
vielseitig zu sein, einer
wohlüberlegten Disposition, geschickter Mensura-tion
und einer hervorragenden Intonation. Nicht zuletzt aber ist ein Spieler
notwendig, der das Instrument
geschickt auszunutzen weiß und auch entlegenere Möglichkeiten zu
finden vermag. Wir hoffen mit dieser Platte
einige Anregungen geben zu können.
Für die
Aufnahme stellte die Firma E.F.Walcker & Cie., Ludwigsburg,
3 Orgeln verschiedener Größe zur
Verfügung, auf denen das Programm
abwechselnd reihum eingespielt wurde.
Die Verwendung von drei Instrumenten
ist eine Besonderheit dieser Aufnahme. Die Dispositionen der 3
Orgeln finden sich auf den Seiten 6 u.
7.
Das Programm selbst ist der Demonstrationsabsicht der Platte entsprechend
zusammengestellt. Es ergab sich dabei fast von selbst, daß die Stücke zum
großen Teil Variationsformen sind. Wert wurde vor allem auf stilistische
Vielfalt gelegt. Diese ist auch gewährleistet, wenn dem Komponisten Hans
Ludwig Schilling eine ganze Plattenseite eingeräumt wurde, durch die Verschiedenartigkeit
der von ihm gewählten Kompositionstechniken. Es erschien
uns vernünftig, eine Seite mit alter Musik zu bespielen und die andere
der zeitgenössischen Musik vorzubehalten. Hans Ludwig Schilling hat im
Auftrag von Orgelbaumeister Werner Walcker-Mayer zwei Stücke eigens
für diese Einspielung geschrieben (Versetten über „O Welt, ich muß dich
lassen" und Chaconne nouvelle), die hier gewissermaßen ihre Uraufführung
erleben und in denen die Demonstrationsabsicht der Schallplatte besonders
deutlich zutage tritt, ohne daß es trockene Lehrstücke wären.
Wie gesagt befinden sich auf der A-Seite Werke alter Meister:
eine kammermusikalisch intime Variationsreihe in C-Dur von
Giambattista
Martini (1706-1784), die mit Absicht auf einem als Hausorgel gedachten
Instrument dargestellt wird.
Voluntary
IX
in g-moll
von John Stanley (1713-1786) mit ausladendem
Largo und anschließendem Allegro-Fugato mit eingestreuten Echostellen.
Choralvariationen über,, Wer nur den lieben Gott läßt walten"-von
Georg Böhm
(1661-1733), ein Zyklus in „Böhmscher Manier" mit vielfältig coloriertem
und abgewandeltem cantus firmus in der Oberstimme.
Präludium und Fuge in D-Dur
von Dietrich Buxtehude (1637-1707), das
bekannte festliche Stück.
Noch einige Worte zu den Stücken von Hans Ludwig Schilling:
Die Versetten über ,,O Welt, ich muß dich lassen" schaffen die
Verbindung
zur alten
Literatur auf der A-Seite durch Versetten-Reihung und streng
stimmigen Satz. Die kanonische Strukturierung unterstreicht diese Devise.
In der Klanglichkeit freilich
ist die typische Sprache Hans Ludwig Schillings
in keinem Takt zu verkennen. Dem
Textvorwurf entsprechend wurde auf
lebhafte Figurierung verzichtet - was
wiederum den mittleren Schwierigkeitsgrad
eingrenzt. Dem Spieler ist für eine individuelle Einrichtung des
Zyklus freie Hand gelassen,
verbindlich sind nur die dynamischen Proportionen.
Zwischen den beiden Auftragskompositionen als Eckpfeilern stehen zwei
Stücke aus der früher entstandenen
I.
Partita für Orgel:
Rondo quadrato
ein durchweg einstimmig konzipiertes Stück, das seiner Struktur
nach ein „Rondo im Rondo" darstellt.
Bicinium - Canon simul procedens
ist ein zwölftöniges Stück von betont lyrischem
Charakter.
Chaconne nouvelle
dehnt den „pädagogischen Zweck" auf den klar systematisierten
Satz der Chaconne aus. Die „Baß-Reihe" (i.-i2. + I.Position) ist nicht
nach alter Manier in stereotype Wiederholung gesetzt, vielmehr
läßt der
Komponist die Tonfolge „wandern", wobei die 2. Zeile mit der
2. Position, die 3. mit der 3. usw. beginnt. Rhythmisierung sowie Bewegungsrichtung
sind generell beibehalten.
Die Kontrapunktierung der voraus komponierten Gerüststimme verläuft
als
Mensur- oder Bewegungsverdichtung (bzw. Mensurschichtung), als
Stimmensummierung und in der Steuerung
der Lagen- und Klangfarbenbereiche. Variation findet sich außer
jener gespreizten Permutation
der
Basisstimme durch unregelmäßige Oktavversetzung, Phrasierung sowie
wirkliche Tondauer (Pausendurchbrechung). Unter Einsatz aller gebotenen
Mittel ist die größtmögliche Klangvarietät aus der Orgel herauszuholen.
Neben herkömmlichen Spielgewohnheiten werden Interpret und Hörer
auch mit Tremolo-, Glissando- und Cluster-Praktiken bekannt gemacht.
Bis auf den Schluß der einstimmigen Coda-Lineatur ist nur die in
der
Gerüst-„Melodie" vorgestellte 12-Tonreihe eingesetzt - nur in der
Originalgestalt ohne Umkehrungs- oder Krebs-Abwandlungen. Auf Seite 8 ff.
sind die verwendeten Registrierungen aufgezeichnet. Die Aufnahmen wurden
am 2. Mai 1969 in der Montagehalle der Firma E. F.Walcker & Cie.,
Ludwigsburg, vom MPS-Tonstudio, Villingen, durchgeführt.
Tonmeister: Rolf Donner.
Aufnahmeleiter: Dr. Hans Ludwig Schilling.
Reimund Böhmig
Dispositionen der drei für die Aufnahme verwendeten Walcker-Orgeln
Alle Instrumente haben Schleifladen mit mechanischer Spiel- und Registertraktur.
Orgel
I
(kath. Kirche Bad Eilsen)
Manual
C-c" " = 6l Töne
Pedal C-f = 30 Töne
1.
Gedeckt 8'
7. Subbaß 16'
2. Prinzipal 4'
3. Rohrflöte 4'
4. Oktave
2'
5. Tertian 2 fach ab b
6. Scharf 3 fach
Koppel: Manual/Pedal
Orgel
II
(Gemeindehaus Kollwitzstraße, Frankfurt-Hausen)
J.
Manual C-c" " = 61 Töne
II.
Manual
C-c" " = 6l Töne
1. Gedeckt 8'
4. Rohrflöte 8'
2.
Nachthorn 4'
5. Quintade 4'
3. Harfenprinzipal 2'
6. Sifflöte l'
Pedal
C-f
= 30
Töne
7. Rankett 16'
Koppeln: II/I, I/II, I/P, II/P
Orgel in
(Kapelle des Exercitienheims Vierzehnheiligen)
I.
Manual (Hauptwerk)
C-g"' =
56 Töne
1. Gedeckt 8'
2. Prinzipal 4'
3. Nasard 22/3'
4. Schwiegel 2'
5. Mixtur 4 fach 1 1/3'
6. Franz. Oboe 8'
-
Tremulant -
II.
Manual (Schwellwerk)
C-g" '
= 56
Töne
7.
Rohrnöte
8'
8. Salizional 8'
9. Koppelflöte 4'
10. Prinzipal 2'
11.
Oktave
1'
12. Terznone 1 3/5' +
8/9'
13. Zimbel 3 fach 1/2'
Pedal C-f =
30 Töne
14.
Subbaß 16'
15.
Gemshorn 8'
16.
Choralbaß 4'
17.
Mixtur 3 fach 2'
18. Fagott
16'
Koppeln: II/I, I/P, II/P
Registrierungen und MP3 Dateien
Es sind, soweit möglich, alle gerade gezogenen
Register aufgeführt. So ist jeweils
das vollständige Klangbild an den angegebenen Punkten ersichtlich.
Giambattista Martini (1706-1784)
Aria mit Variationen in C-Dur
(MP3 4,9MB)
gespielt auf Orgel
II
ARIA
Manual
I
Gedeckt 8' (beide Hände)
Variation i
Manual
I
Nachthorn
4' (rechte Hand)
Manual
II
Rohrflöte 8' (linke Hand)
Pedal
Koppel II/Pedal
Variation 2
Manual
I
Gedeckt 8'
Harfenprinzipal 2' (beide Hände)
Pedal Rankett 16'
Variation
3
Manual
II
Rohrflöte 8' Quintade 4' (beide Hände)
Variation 4
Manual
I
Gedeckt 8'
Nachthorn 4' (linke Hand)
Manual
II
Sifflöte 1'
(rechte Hand)
Koppel
I/II
Pedal Rankett 16'
John Stanley (1713-1786)
Voluntary IX in g-moll
(MP3 4,6MB)
gespielt auf Orgel
II
LARGO
Manual
I
Gedeckt 8' Nachthorn 4' Harfenprinzipal 2'
Manual
II Rohrflöte
8' Quintade 4'
Koppel II/I (beide Hände auf
I)
Pedal Rankett 16'
Koppel
I/Pedal
ALLEGRO
Manual
I
Gedeckt 8' Nachthorn 4' Harfenprinzipal 2'
Manual
II
Rohrflöte 8' Sifflöte i'
Pedal
Rankett 16'
Koppel
I/Pedal
(beide
Hände auf
I
im Wechsel mit
II)
die 14 letzten Takte + II/I
Georg Böhm (1661-1733)
Choralvariationen über „Wer nur den lieben Gott
läßt walten"
(MP3 6,5 MB)
gespielt
auf Orgel
I
Variation l
Gedeckt 8'
Rohrflöte 4'
Variation 2
Gedeckt 8' Oktave 2'
Variation 3
Gedeckt 8'
Rohrflöte 4' Oktave 2' Scharf 3 f.
Variation 4
Gedeckt 8' Prinzipal 4'
Variation
5
Rohrflöte 4'
Variation 6
Gedeckt 8'
Oktave 2' Tertian 2 f.
Variation
7
Gedeckt 8' Prinzipal 4' Oktave 2' im Wechsel mit
Gedeckt 8' Rohrflöte 4'
3. letzter Takt + Scharf 3 f.
Dietrich Buxtehude (1637-1707)
Präludium und Fuge in D-Dur
(MP3 4,6MB)
gespielt
auf Orgel
III
PRÄLUDIUM
Manual
I
Gedeckt 8' Schwiegel 2'
Manual
II
Rohrflöte
8' Salicional 8' Koppelflöte 4' Prinzipal 2'
Oktave 1'
Pedal
Subbaß 16' Choralbaß 4'
Koppel
I/Pedal
(beide
Hände auf
II)
FUGE (Takt
21) Manual
I
Gedeckt 8'
Nasard 22/3' Schwiegel 2'
Manual
II
Koppelflöte 4' Prinzipal 2'
(Schweller
fast geschlossen)
Pedal Gemshorn 8'
Koppel
H/Pedal
(beide
Hände auf
I)
FUGE (Takt 60)
Manual
II
— Koppelflöte 4' + Rohrflöte 8'
(beide
Hände auf
II)
ADAGIO (Takt 62) Manual
I
Gedeckt 8'
Prinzipal 4' Nasard 2*/3' Schwiegel 2'
Mixtur 4
f. Franz. Oboe 8' Manual
II
Rohrflöte 8' Koppelflöte 4' Prinzipal 2' Terznone
Zimbel 3 f.
Pedal
Subbaß 16' Gemshorn 8' Choralbaß 4' Fagott 16'
Koppeln U/l, H/Pedal
(beide Hände auf
I,
8 Töne tiefer)
ALLEGRO (Takt 70) Manual
I
— Franz.
Oboe 8'
Manual
II
— Terznone
— Zimbel 3 f.
— Koppel II/I
(beide Hände auf
II
im Wechsel mit
I)
ALLEGRO (Takt 95) Manual
I
+ Franz. Oboe 8' Manual
II
+ Zimbel 3 f.
Koppel II/I (beide Hände auf
I)