Reise
zum Mittel•punkt
der Welt
Quito –
Magma aus Indios und Spaniern
und ein MUSICA SACRA Festival
International, das für Walcker-Orgeln von 1927 und 1962 von Bedeutung werden
könnte.
Am Montag den 2.Februar um 10 Uhr
verlasse ich Saarbrücken, um rund 28 Stunden später am „Ende der Welt“ oder
besser gesagt in
„Mitad del Mundo* = in der Mitte der Welt“ in Quito/Ecuador
zu landen.
Es gab einen Zwischenstop in Buenair,
Nähe Caracas, Venezuela, morgens gegen 4 Uhr, wo uns ein angenehmer warmer
Wind von 28 ˚C entgegenwehte. Ein
weiterer Halt gegen 7 Uhr war in Guayaquill, des wirtschaftlichen Zentrums
Ecuadors, wo es zwei Walcker-Orgeln gibt; und zwar in der Katholischen
Kirche von 1887 und im Franziskanerkloster von 1906 mit 17 Register.
Sieben Tage später, vom
9.-10.Februar 2004, fliege ich wieder zurück nach Deutschland, wobei die
Reisetortur durch längere Wartezeiten auf rund 30 Stunden erhöht wird. Es
ist nahezu der gleiche Fahrplan Quito nach Buenair, dann über Amsterdam nach
Frankfurt/Main mit KLM. Besser scheint mir aber der Flug mit Iberia über
Madrid, da hier nicht jedes Kilo Übergepäck penibel abgerechnet wird.
Aber Quito, das kann ohne jeden
Vorbehalt gesagt werden, das hat sich nicht nur gelohnt, sondern der Besuch
dieser Stadt und der sagenhaften Natur der Anden, und dem Eintauchen in
diese erhabene, historische Altstadt, es war einfach ein unvergängliches
Erlebnis.
Quito, das ist ein Monstrum von
35 km Länge und einer Breite von rund 5 bis 8 km mit etwa 2 Millionen
Einwohnern. Der Süden der Stadt ist Slum, dort es ist Armut, im Norden
dagegen findet man westliche Kaufhäuser, Hochhäuser, Geldadel und
Mittelstand, eine Fastfood-Halle so groß wie der Frankfurter Hauptbahnhof.
Ein ganzes Stadtviertel besteht aus Diskotheken und Bars.
Dazwischen liegt der historische
Stadtkern Quitos, der 1978 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Mit der polnischen Stadt Krakau zusammen wurde Quito zu höchsten
historischen Priorität erklärt, zur „Ciudad Patrimonio de la Humanidad“.
Quito liegt im Norden am Fuß des
Vulkans Pichincha in einem schmalen, fruchtbaren Tal der Anden (2 850 Meter
über dem Meeresspiegel). Aufgrund der Höhenlage befindet sich die Stadt
trotz ihrer Nähe zum Äquator in einer gemäßigten Klimazone. Die wichtigsten
Erzeugnisse sind Textilien, Nahrungsmittel, Getränke, Leder, Zement, Möbel
und kunsthandwerkliche Produkte aus Gold und Silber. Quito ist mit dem
Pazifik durch eine Eisenbahnlinie (eröffnet 1908) verbunden, besitzt einen
internationalen Flughafen und liegt am Panamerican Highway.
Quito ist die älteste Hauptstadt
Südamerikas und hat noch immer kolonialen Charakter, mit dem vorherrschenden
Baustil des spanischen Barock. Während des 1. Jahrtausends n.
Chr. wurde Quito besiedelt und entwickelte sich mit der Zeit zur befestigten
Hauptstadt verschiedener Indiovölker. Eines davon waren die Quito.
Im Jahre1487 wurde die Stadt von
den Inka und 1534 von dem spanischen Eroberer Sebastián de Belalcázar (Benalcázar),
einem Leutnant von Francisco Pizarro, erobert. 1822 wurde die Stadt von
Antonio José de Sucre von den Spaniern befreit, der die südamerikanischen
Truppen während ihrer Revolte gegen die spanische Herrschaft kommandierte.
Bis ins frühe 20. Jahrhundert war Quito das wichtigste Wirtschaftszentrum
Ecuadors. Dann wurde diese Rolle von Guayaquil übernommen. Vor allem im 19.
Jahrhundert wurde die Stadt durch mehrere Erdbeben beschädigt. Nach
wiederholten Eruptionen des Pichincha wurden im Dezember 1999 weite Teile
Quitos mit Asche bedeckt. Im Nordosten befindet sich der Riese Cayambe mit 5790m, und im
Norden der Volcan Cotacachi. Diese beiden Vulkane habe ich besucht. Im
Cotacachi sind wir auf dem See des Berggipfels mit dem Boot gefahren. Ein
wahrlich erhabener Eindruck, den ich nie vergessen werde.
Im Süden gibt es rund 12 Vulkane
mit Höhen von 5000 bis 6000 m. Alle diese wunderschönen Berge sind in eine faszinierende Landschaft
eingebettet, meist in Naturreservate, in einer
Art, wie wir das in Europa überhaupt nicht kennen.
Der
Mittelpunkt
der Welt sollte Ecuador
deswegen sein, da hier bereits vor 250 Jahren die exakte Linie des Äquators
bestimmt wurde, rund 20 km nördlich von Quito. Der Verfasser konnte sich auf
diese Äquatorlinie so stellen, dass er mit einem Bein die nördliche, mit
einem anderen die südliche Halbkugel berühren konnte.
Und vor allem diese Menschen
hier sind bewunderungswürdig, sie leben mit der Gefahr der Vulkanausbrüche, und dies seit 10.000
Jahren. Solange sind Nachweise von menschlicher Kultur in Quito belegt. Die
letzten Vulkanausbrüche sind gerade einige Monate her.
Die historische Altstadt Quitos
ist rund 500 Jahre alt, und sie ist markiert durch fünf großartige Kirchen
und dazugehörige Plätze. Es gibt in der Stadt insgesamt 86 Kirchen.
Die drei bedeutendsten sind San
Franciso, Santo Domingo und die Jesuitenkirche La Compañia, die alle eine
großartige Ausstrahlung besitzen, in denen aber leider keine spielbaren
Orgeln zu finden sind.
Orgeln finden wir erst in der
historisch bedeutendsten Kirche der Stadt in St. Agustin., welche im
16. Jahrhundert erbaut wurde, und die eine herrliche Klosteranlage mit
Garten besitzt. Hierher hat eine Oscar Walcker-Orgel aus 1927 den Weg
gefunden, welche praktisch vollständig erhalten ist und die mit Erneuerung
der Lederteile und einer Ausreinigung wieder
spielbar gemacht werden kann. Im Kapitelsaal St. Augustin hat Simon Bolivar
am 10.August 1809 die Unabhängigkeitserklärung Equadors gegen Spanien
unterzeichnet. An diesem Tisch und Stuhl – auf
unserem Bild
ist es nun nicht Bolivar, sondern ein anderer, man rate mal.
Das Herz der Stadt stellt der „Plaza
de la Independencia“ oder der „Plaza Grande“ dar, der durch die schöne
Cathedral, gebaut 1550-62, geprägt ist. In dieser Kirche befindet sich
eine Walcker-Orgel aus 1962 mit drei Manualen, elektrischen Schleifladen mit
32 Register, die technisch keine nennenswerte Mängel aufweist. Leider
jedoch im Pfeifenwerk, in Intonation und damit zusammenhängender Stimmung.
An dieser Orgel habe ich zwei Tage mit dem Pfarrer Wartungsarbeiten
durchgeführt. Und zunächst einmal ist geplant diese Orgel für Festivals
vollständig herzurichten.
Die größte Kirche der Stadt ist
zugleich die älteste Kirche Südamerikas, es handelt sich um die 1553 von den
Spaniern gebaute San Francisco Kirche. In dieser Kirche sind zwei
Orgeln auf Evangelien- und Epistelseite, es handelt sich hier um ein etwa
100 Jahre altes pneumatisches Instrument aus den USA, bei dem der Spieltisch
entfernt wurde. Dieser wurde in einen anderen Raum geschafft. Dafür hat man
ein elektronisches Synthy-instrument installiert, das bereits wieder defekt
ist. Also mit einem Wort gesagt, in dieser wunderschönen und bedeutenden
Kirche findet keine Orgelmusik statt, sondern elektronisches Geklimper.
Im Jahre 1620 wurde die
herrliche Kirche Santo Domingo gebaut, auf die ich von meinem
Hotelrestaurant einen schönen Blick hatte. Auch hier wird keine Orgel den
Gottesdienst begleiten, da es keine gibt.
In der Jesuitenkirche La
Compañia, die mit rund 1000 kg reinem Gold innen belegt ist, und die
kurz vor Vollendung einer stilreinen Innen-Restaurierung steht, befindet
sich eine Roosvelt-Orgel aus dem Jahre 1888, die aber nicht spielbar ist. Es
handelt sich hier um eine mechanische Registerkanzellen - Orgel, die einen
recht guten Eindruck auf mich gemacht hat.
La Merced wurde Anfang
des 17.Jahrhunderts gebaut, und erfreut den Orgelliebhaber, wenn er von
unten hoch auf die Empore schaut : hier sieht er zwei herrliche
Barockorgelprospekte. Oben auf der Empore angekommen, muss er dann leider
zur Kenntnis nehmen, dass diese Orgelgehäuse leer sind. Die hinter diesen
Barockgehäusen Anfang des 20.Jahrhunderts eingebauten Werke aus den USA mit
pneumatischer Traktur und neugotischer Gehäusegestaltung sind unspielbar.
Ein weiterer Orgelaufbau befindet sich am Fenster der Westseite im „Coro“,
der aber leider auch nur eine schöne Fassade darstellt. Dagegen ist das mit
Pfeifen bestückte Harmonium im Chor hinter dem Altar „spielbar“.
Die neugotische Beton-Basilica
del Voto-National wurde von 1926 bis 2003 gebaut und erinnert von der
Ferne etwas an unseren Kölner Dom oder ans Ulmer Münster, wobei die über dem
Mittelschiff schwebende Hochwand besonders von der Altstadt aus gesehen
einen herrlichen, leicht schwebenden Eindruck hinterlässt. Hinter der Westwand fand
ich ein kleines Orgelwerk, das offensichtlich aus Südamerika stammt, aber an
diesem Sonntag ungeliebt in einer Ecke stand.
Mit den jährlich seit März 2002
stattfindenden Festivals „Musica Sacra“ möchte die Kulturabteilung
der Stadt Quito einen lebendigen Schwerpunkt in Sachen Kirchenmusik setzen,
mit internationalen Künstlern und Interpreten. (Organisten aus Schweiz,
Spanien, USA sind bereits da gewesen) Ich habe ein wundervolles paar CD’s
bekommen aus dem Festival vom März 2002, wo die Eigenheiten der Musik durch
Einflüsse aus Indios, aus spanischen, aus europäischen und
gesamtamerikanischen Elementen bereichert wird und ein herrliches
Konglomerat an wunderschöner Musik neu geschaffen wird. Interessenten an
dieser DoppelCD „Memorials del Primer Festival Internacional de Musica Sacra“
mögen sich bitte bei mir melden. Bei größerem Interesse werden ich versuchen
einen kleinen Vertrieb dieser CD hier zu organisieren. Auch Organisten, die
interessiert sind in Quito Konzerte unter sehr ungewöhnlichen Umständen zu
geben, mögen sich bitte melden. Wir reichen diese Interessenten gerne weiter
an die Kulturabteilung der Stadt Quito, wo große Begeisterung an Orgelmusik
herrscht.
Gerhard Walcker-Mayer
im Anhang befinden sich
zwei mit mehreren Bildern ausgestattete Dokumentationen über die beiden
Walcker-Orgeln, die ich noch vor Ort mit Kostenanschlägen den
verantwortlichen Personen übergeben konnte. Als ganz besonders wichtig
erachte ich die Erhaltung der
Oscar Walcker-Orgel aus 1927 in St. Agustin.
Aber auch die
Walcker-Orgel von 1962
hat ihre Liebhaber, und
nun auch ihre Bedeutung als 3manualige Konzert-Orgel. Hierzu lege ich auch
das Schreiben des legendären
Domorganisten und Franziskaners Prof. P. Jaime-Manuel Mola,
welches er anlässlich der Fertigstellung der Orgel an Walcker fertigte.